Do interpreters suffer from decision fatigue? – Entscheidungsmüdigkeit beim Dolmetschen?

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Entscheidungen sind anstrengend. Chicken or Pasta, Sekt oder Selters, Windows oder Mac, vom Blatt dolmetschen oder frei – den ganzen Tag müssen wir uns entscheiden, und je mehr Entscheidungen sich aneinander reihen, desto entscheidungsmüder werden wir, desto weniger gründlich wägen wir die Möglichkeiten also ab oder bleiben im Zweifel beim Status Quo. Dabei sind Entscheidungen mit vielen Optionen vergleichsweise anstrengender als solche mit wenigen Optionen.

Als ich zum ersten Mal von Untersuchungen gehört habe, die besagen, dass Richter sich im Verlauf ihres Arbeitstages immer schwerer tun, qualifizierte Entscheidungen zu treffen (NY-Times: Do you suffer from decision fatigue?), war ich auf Anhieb fasziniert von diesem Phänomen der Entscheidungsmüdigkeit, einem Begriff, den man ansonsten häufiger im Zusammenhang mit Verbraucherverhalten diskutiert findet. Aber vielleicht geht es Euch ja auch manchmal so: Wenn man am Morgen noch hochmotiviert ist, sogar Fragen zu ergründen wie ob man lieber „Paradox“ oder „Paradoxon“ sagt oder ob es trotz begrifflicher Unterschiede legitim ist, „Geisteswissenschaftler“ mit „humanista“ zu dolmetschen, also ohne Not eine ganze Reihe von qualifzierten Entscheidungen trifft, wird das alles gegen Nachmittag immer egaler. Man lässt dann auch mal Abkürzung Abkürzung sein und kann sich einfach nicht mehr aufraffen, Termini zu recherchieren, für die man eine einigermaßen brauchbare Entsprechung hat. Und wenn man etwas nachschlägt, denkt man auch gar nicht mehr unbedingt darüber nach, welches die beste Quelle ist und ob der Kollege das gesuchte Wort nicht vielleicht viel schneller ausspucken könnte.

Entscheidungen treffen wir jedenfalls nicht zu knapp (und hier reden wir ja nur um diejenigen rund um unsere Informations- und Wissensarbeit!). Los geht es ja schon los in der Vorbereitung: Lesen oder überfliegen? Vokabel rausschreiben oder überlesen, recherchieren oder improvisieren? Und weiter in der Kabine: Blicke ich auf den Redner, den Bildschirm im Saal, meine Papiere, meinen eigenen Bildschirm oder den Bildschirm, der das Saalgeschehen überträgt? Frage ich den Kollegen oder nicht? Schlage ich eine unbekannte Entsprechung nach oder belasse ich es bei der improvisierten Lösung? Und wenn ich nachschlage: Papier oder Computer? Sitzungsunterlagen, Wörterbuch, eigene Terminologiebestände, die von Kollegen, online-Nachschlagewerke – und dann: welches zuerst? Linguee, Iate, Leo, Bildersuche & Co. – jede Quelle hat ja so ihre Vorzüge.

Fragt sich nur: Was lernen wir nun aus der Erkenntnis? Abgesehen vom Wahren eines ordentlichen Blutzuckerspiegels (ganz wichtig!) fällt mir da spontan ein: Die Zahl der notwendigen Entscheidungen minimieren oder durch Automatismen ersetzen, will heißen, die Wissensarbeit von vorneherein möglichst entscheidungsarm strukturieren, um die Entscheidungslast gering zu halten. Konkret kann das bedeuten:

– Möglichst nur ein Medium wählen, um Medienbrüche zu vermeiden. Ich empfehle ein Laptop (Subnotebook, Ultrabook …), weil es am meisten kann. Andere schwören auf Papier oder ein Tablet. Seit ich mir angewöhnt habe, papierlos zu arbeiten und möglichst alles am Computer zu machen, und nicht ständig mit dem Blick zwischen Papier und Bildschirm hin- und herwechseln muss (permanente Entscheidungen), bin ich deutlich entspannter und effizienter.

– Zahl der digitalen Nachschlagequellen minimieren. Glossare jeglicher Art lassen sich zusammen mit der Tagesordnung einfach in einer Excel-Tabelle zusammenwerfen und so mit einer einzigen Suchanfrage durchwühlen, Sitzungsdokumente systematisch mit einer Desktopsuchmaschine durchstöbern, wenn alles in einen Ordner liegt. Abgearbeitete Dokumente gleich löschen (sind ja zur Not noch im Papierkorb)! Die einschlägigen Internetquellen lassen sich mit der Qtrans-Searchbar und anderen Tools sehr einfach quasi-gleichzeitig durchsuchen.

– Entscheidungen outsourcen: Die Kollegen zu fragen ist ja ein bisschen aus der Mode gekommen, seit man alles mit kurzem Tastengeklimper nachsehen kann. Jedoch: Räuspertaste drücken und fragen ist oft die effizienteste Art, eine Informationslücke zu schließen, denn es geht eindeutig am schnellsten und ist am zuverlässigsten, denn wenn der Mensch etwas nicht weiß, bekommt man meist ein recht eindeutiges “keine Ahnung” und keine Ansammlung irrelevanter Fuzzy Matches zur Antwort (mehr Optionen = mehr Entscheidungsanstrengung!). Und dann kann der Kollege immer noch die Such- und Entscheidungsarbeit übernehmen.

– In der Vorbereitung: Feste Plätze für bestimmte Informationsarten reservieren. Termini immer in die gleiche Datenbank (mit entsprechenden Kategorien) packen, Ordnerstruktur für einen Auftrag immer nach dem gleichen Muster gestalten, fremden Glossare, die man noch mal brauchen könnte (“das vollständige menschliche Skelett in fünf Sprachen”), immer alle auf den gleichen Haufen (sprich in den gleichen Ordner).

– Auch bei der Vorbereitung, beim Extrahieren von Termini aus Redemanuskripten oder anderen Texten: Wenn man merkt, dass man entscheidungsmüde wird und bei jedem zweiten Wort überlegt, ob man dazu nicht doch noch einmal tiefer recherchieren muss oder es in den Terminologiebestand aufnehmen soll, eine Entscheidungspause einlegen und zunächst mit einer weniger entscheidungsintensiven Arbeit (Recherche, Lernen) fortfahren. Ich lege immer bewusst das Lesen von Texten und Extrahieren von Terminologie auf den Vormittag, die Terminologierecherche auf den Nachmittag, weil ich letzteres auch in kleinen Häppchen erledigen kann, ohne aus dem Fluss zu kommen.

Bestimmt erlebt jeder die Entscheidungslast in der Informationsarbeit beim Dolmetschen anders learn more. Deshalb hoffe ich, dass meine Tipps den einen oder anderen inspirieren, freue mich aber auch über Eure Einschätzungen!

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Do interpreters suffer from decision fatigue?

Decisions are tiresome. Chicken or pasta, tap water or champagne, Windows or Mac, go for sight translation from the manuscript or just listen to the speaker – our daily life is a whole series of decision-making. The more decisions follow one other, the more probably decision fatigue will kick in, i. e. the less thoroughly we ponder the pros and cons of our options and the more likely we are to just leave things the way they are. And the more options there are to choose from, the more tiresome it becomes to decide.

When I first heard about those studies (see NY Times: Do you suffer from decision fatigue?) showing that judges tend to struggle more to make qualified decision in the morning than in the afternoon, I was intrigued by this concept of decision fatigue, which by the way tends to be discussed primarily in the context of consumer behaviour. You may have experienced it yourself: In the morning you are absolutely happy to discuss questions like whether you are supposed to say ‘American Indian’ or better go for ‘Native American’, or if the German ‘Geisteswissenschaftler’ is well translated with ‘humanist’ despite some conceptual discrepancies. You make a whole series of qualified decisions just like that, while in the afternoon you cannot be bothered to do so any more. Just leave the acronym as it is and live with the solution your mind has just come up with without further investigating, and if ever you look something up, you tend not to check your options like what would be the most suitable source of information (it might turn out to be your booth mate).

All in all, our information work requires plenty of decisions each day (let alone the interpreting process as such). It all starts when preparing for a meeting: Should I read this text or just skim it? Note down this unknown word or just ignore it, double-check or improvise? And on it goes in the booth: Do I look at the speaker, the screen in the meeting room, my screen, my papers or that screen in the booth that shows what’s happening in the meeting room? Do I ask my colleague for this tip-of the-tongue word or not? Check unknown terms or just live with the impromptu solution? And if ever I check: On paper or in my computer? In meeting documents, dictionaries, my own term database, colleagues’ glossaries, online sites – and where do I look first? Linguee, Iate, Leo and the like – each of those has its points.

Now the question is, what can we conference interpreters learn from it? Apart from keeping your glucose level high at all times (very important!), I suggest minimizing the number of decisions to be made or replacing them with automatisms, i.e. structure your knowledge work accordingly in the first place in order to avoid unnecessary decision load. This means, for example:

Go for one medium only so to avoid media breaks. I recommend laptop computers as the most versatile instrument. Others prefer paper or a tablet. Since I have gone paperless and I do not have to switch between looking at the screen and looking at a (pile of) paper (=constant decision-making), I am far more relaxed and efficent.

Reduce the number of digital sources of information. Glossaries of any type, agenda etc. can be copied into one spreadsheet and can then be searched in one go. Meeting documents of any format stored in one folder are easily searched through with a desktop search engine. It is a good idea to delete finished documents immediately (you can retrieve them from the recycle bin at any time). The most relevant online search sites can easily be consulted with multi-glossary search tools like the Qtrans Search bar.

Outsourcing decisions: Asking colleagues has become a bit old-fashioned since the answer to any odd question seems just a couple of key strikes away. However, pressing the mute button and asking may still be the most efficient and reliable way of closing an information gap. After all, your colleague is safe to say ‘no idea’ in no time if he or she does not know the answer, without endless lists of fuzzy matches (more options = higher decision load). And then your he or she can take over and do the searching and deciding on the right term for you.

Whilst preparing, reserve a fixed place for particular types of information. Put your terminology all into the same database (categorized accordingly), always follow the same pattern when structuring your job folders, put other people’s glossaries and other valuable documents (‘the complete human skeleton in five languages’) that might turn out useful in the future into one folder.

When extracting terms from manuscripts or other texts, you might feel depleted after a while (spending hours deliberating whether to take a closer look at a particular term or just leave it alone). Take a decision break and switch to a less decision-intensive task (memorizing, researching). I always try to do the reading and term extracting before lunch and the term research bit in the afternoon.

I am sure that all conference interpreters have different perceptions of their information work, as well as different habits and preferences. I hope that you find some inspiration in my ideas – and please feel free to share your thoughts on it.

Schneller Lesen – dafür gibt es doch bestimmt eine App!

Für eine wirklich bessere Lesetechnik muss man definitiv auch das altmodische Gehirn bemühen, aber einige Aspekte davon – Blickspanne nutzen, nicht im Text zurückspringen – sind ja doch so mechanisch, dass man sich fragt, ob dabei nicht der Computer helfen kann. Und tatsächlich sind auf diese Idee auch schon andere gekommen.

Zunächst einmal vielen Dank an Conrado Portugal, der mir diesen Artikel aus der Huffington Post geschickt hat: http://m.huffpost.com/es/entry/4902279, (den es nicht nur auf Spanisch, sondern auch mindestens auf Englisch gibt). Die darin vorgestellte Schnell-Lese-App von Spritz ist leider nur für wenige Geräte erhältlich, eine ähnliche habe ich aber für mein Android-Tablet gefunden, nämlich “A Faster Reader“:

Das Prinzip ist einfach: Die Wörter eines Textes werden einzeln nacheinander angezeigt (das Tempo kann man regulieren), so dass das Auge immer auf dem gleichen Punkt ruhen kann und keine Zeilen abtasten muss. Cool gelöst: Wenn man einen Text mit dieser App lesen möchte, geht man einfach auf “Teilen” und wählt “SpeedReader” aus.

Vielleicht nicht das romantischste Leseerlebnis, aber schon effizient, und irgendwie doch charmant  – vor allem aber nützlich, wenn man mal etwas am winzigen Smartphone-Bildschirm lesen muss.

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Audio-Vorbereitung 3: Hurra, mein Glossar spricht! Aus mehrsprachigen Tabellen mp3s zaubern

So hocherfreut ich war festzustellen, dass der Computer problemlos geschriebenen Text vorliest und das Vorgelesene auch ohne viel Murren als mp3 herausrückt, so sehr hat es mich dann gefuchst, dass das mit mehrsprachigen Glossaren nicht so mir nichts, dir nichts funktionieren wollte. Ich habe also einige Spracherzeugungssoftware-Hersteller mit der Frage genervt und ein bisschen rumprobiert, und siehe da, letztendlich habe ich doch einen einigermaßen bequemen und bezahlbaren Weg gefunden:

Für 20 EUR habe ich mir TextAloud gegönnt (bereits vorgestellt hier http://wp.me/p3KGB8-2n) und bin damit bestens gewappnet. Man muss dem Programm nur mit ein paar Tags auf die Sprünge helfen, damit es weiß, an welcher Stelle es welche Sprache sprechen muss, aber dann funktioniert es wunderbar.

Folgende Tabelle habe ich TextAloud zum Vorlesen gegeben, in der ich vor jede Spalte eine zusätzliche Spalte eingefügt habe, in der steht, welche Stimme sprechen soll:

ExcelGlossar mit Tags

Wie diese Tags aussehen, findet man heraus, indem man es einmal in TextAloud direkt ausprobiert:

TextAloud

Die fertig präparierte Excel-Tabelle befördert man dann per Copy&Paste in TextAloud:

TextAloud Glossar

Dann klickt man auf „Speak“ oder „To File“ – und fertig!

Hier das Ergebnis zum Anhören:

Nicht schlecht für einen Computer, finde ich. “Te-ha-ymian” ist ein bisschen lustig, aber auf jeden Fall erfüllt das Ganze seinen Zweck, sich im Auto, beim Sektfrühstück oder beim Kugelschreiberzusammenschrauben die 200 wichtigsten Termini für die morgige Konferenz noch einmal anzuhören.

Und zum Schluss die gute Nachricht: Wenn man sich die Mühe einmal gemacht hat exterior painting, speichert man sich einfach eine leere Vorlage in Excel (so wie diese hier: Glossar für TextAloud LEER, geht wahrscheinlich auch in Word) und muss beim nächsten Mal nur noch seine Glossarspalten hineinkopieren.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Audio-Vorbereitung 2: Die kostenlosen Microsoft-Computerstimmen und was man damit machen kann

Sich Textdokumente durch eine Computerstimme vorlesen zu lassen, ist einfacher, als mancher vielleicht denkt. Es geht im Prinzip sogar mit den Bordmitteln von Windows 7 oder 8. In diesem Beitrag beschreibe ich im Einzelnen,

  • was man tun muss, damit man sich dann ziemlich komfortabel in MS-Word einen Text vorlesen lassen kann und
  • wie man daraus mp3-Dateien erzeugt bzw. mit welchen kostenlosen und kostengünstigen Programmen das noch besser/einfacher geht.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur für Windows 8 und Office 2013 sprechen. Mir wurde jedoch gesagt, dass es in Mac OS ungleich einfacher ist, sich Texte vorlesen zu lassen und diese als mp3 zu speichern (Alex, vielleicht möchtest Du das in einem Kommentar vertiefen?).

In Windows 8 ist eine so genannte “Sprachausgabe” enthalten. Sie klingt auf Deutsch mit der Stimme von Hedda so:

In britschem Englisch mit Hazels Stimme so:

Um diese zu nutzen, muss man vorher nur ein paar Dinge tun:

– Die “Microsoft Speech Platform – Runtime (Version 11)” herunterladen und installieren:
http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=27225

Die gewünschten Sprachen herunterladen und installieren:
http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=27224
Hier einfach auf den „Englisch“-Button klicken, danach bekommt man eine Auswahl der verfügbaren Sprachen. „TTS“ steht für Text to Speech (Sprachausgabe), „SC“ steht hier für Speech Recognition (Spracherkennung).

(Wer Windows 7 und Office 2010 hat, findet hier die entsprechenden Anweisungen von Microsoft: http://office.microsoft.com/en-us/word-help/using-the-speak-feature-with-multilingual-tts-HA101825279.aspx)

Damit hat man alles an Bord und muss dann nur noch die Sprachausgabefunktion in Word aktivieren:

  • Datei/Optionen/Symbolleiste für den Schnellzugriff
  • Befehle auswählen: Befehle nicht im Menüband
  • In MS-Word den Befehl „Sprechen“ auswählen und auf “Hinzufügen” klicken (in MS-Excel alle Befehle mit “Eingabezellen”).
  • Mit OK bestätigen

Und schon steht die Vorlese-Schaltfläche zur Verfügung:

Leider kann man sich hiermit die Texte nur “live” vorlesen lassen, aber keine Audio-Datei erzeugen (wie man es am Mac kann).

Dazu reicht es aber, sich die kostenlose Aufnahmesoftware Audacity zu installieren (http://audacity.sourceforge.net/download/), und schon kann es losgehen: In Audacity als Audioquelle „Stereo Mix“ auswählen (damit nicht über das Raummikrofon aufgenommen wird), auf “Aufnahme” – roter runder Punkt – klicken und dann in Word die Sprachausgabe starten.

Alles in allem also eine gut zu nutzende Funktion, wenn einmal alles eingerichtet ist.

Der Nachteil: Man muss sich zur mp3-Erzeugung wirklich immer den kompletten Text vorlesen lassen, was schnell lästig werden kann. Außerdem stoppt die Vorlesefunktion immer automatisch nach ca. 5 Minuten, d.h. man kann das System auch nicht einfach eine Stunde durchlaufen lassen und sich in der Zeit die Nägel lackieren gehen. Dieses Problem lässt sich aber ziemlich einfach lösen, etwa mit dem kostenlosen

MiniReader der zu Amazon gehörenden Firma IVONA: http://www.ivona.com/en/mini-reader/

Die Leiste legt sich über jedes Fenster und man muss nur den gewünschten Text markieren und auf Play klicken, schon liest es los. Der Ivona MiniReader bietet automatisch sowohl die installierten Microsoft-Stimmen an als auch zur Probe Ivona-eigene Stimmen.IvonaMiniReaderFREE

Die Ivona-Teststimmen kann man bei der Installation auswählen; es gibt mindestens Deutsch, Englisch (US/UK), Französisch, Spanisch (auch lateinamerikanisch), Portugiesisch (auch brasilianisch), Rumänisch, Italienisch, Niederländisch, Türkisch, Polnisch, Russisch, Schwedisch. Einzeln kosten die Stimmen ab 29 EUR, es gibt aber auch günstigere Pakete. http://www.ivona.com/en/voices/#offer

Ivonas Marlene liest den Kommissionsbeschluss folgendermaßen: Sie liest hier mal schneller und mal langsamer, weil ich während der Aufnahme mit dem Geschwindigkeitsregler gespielt habe. Am Anfang war sie mir ein bisschen zu flott und klang deshalb schnippisch. Die “Doppelebes-teuerung” kann ich ihr verzeihen. Insgesamt auf jeden Fall brauchbar!

Der große Vorteil des kostenlosen MiniReaders ist jedenfalls, dass er sechs Seiten (mehr habe ich nicht getestet) ohne Abbruch durchliest. Man kann damit allerdings auch keine Audiodatei erzeugen, dazu benötigt man dann wieder bspw. Audacity.

Alternativ bietet dies der kostenpflichtige Ivona Reader: http://www.ivona.com/en/reader/ Einsprachig gibt es diesen ab 49 EUR, mehrsprachige Pakete ab 129 EUR. Damit kann man dann Audio-Dateien generieren und theoretisch auch taggen, um einzelnen Textstellen unterschiedliche Sprachen bzw. Stimmen zuzuweisen.

Eine Alternative zum MiniReader + Audacity oder dem kostenpflichtigen Ivona Reader ist mein persönlicher Favorit  TextAloudhttp://www.nextup.com/TextAloud/ für 29,95 USD (19,99 EUR exkl. MWSt). Damit bekommt man eigentlich alles, was man braucht: Viele Sprachen, mp3-Generierung und Tagging für Glossare (dazu mehr im nächsten Blog-Beitrag). TextAloud

Stimmen kann man einzeln für einen Preis von 26,70 bis 34,20 EUR dazukaufen. Das Programm nutzt aber auch die installierten Stimmen von Microsoft und Ivona.

All dies habe ich getestet und es hat wunderbar funktioniert – TextAloud ist jetzt mein Standard-Instrument für das ziemlich problemlose Erstellen von Audio-Dateien auch aus mehrsprachigen Glossaren. Aber dazu mehr demnächst!

 

 

Improved Reading – Sitzungsvorbereitung im Selbstversuch

Nun also meine erste Konferenzvorbereitung als Improved-Readerin. Meine Theorie: Ich lese die Texte auf Inhalt so schnell, dass ich nachher noch Zeit habe für eine weitere Runde reinen Terminologie-Scannings (was ein bisschen dem Augentraining aus dem IR-Kurs gleicht).

Was habe ich vor mir? Thema: Berufskrankheiten. Als erstes fällt mir auf: Die Texte sind auf Englisch, dolmetschen soll ich von Deutsch nach Spanisch. Naja, mal sehen, ob das meine effektive Leserate bremst. In der ersten Runde soll ja die Sprache erst einmal egal sein. Also ran!

Schritt 1: Und da geht es schon los. Man soll zunächst immer innerlich eine Frage bzw. Erwartung an den Text formulieren. Um sich mental einzustimmen. Was ist für uns als Dolmetscher die Erwartung an den Text? „Ich muss wissen, was drin steht“, fällt mir da spontan ein. Nicht so zielführend. Und vielleicht ein bisschen undifferenziert. Zweiter Versuch: „Was führt der Redner im Schilde? Worauf will er hinaus?“ Hm. Aber was interessiert denn die Zuhörer? Wer sind denn noch mal genau die Zuhörer? Für die wird das alles ja schließlich veranstaltet. Also noch einmal genau nachlesen …  Alles klar. Versicherungen, Regierungen, Arbeitnehmer, Arbeitgeber. Also alle, die ein Interesse an der Vermeidung von Berufskrankheiten haben. Eigentlich logisch. Also lautet meine Fragestellung an den Text: „Wo sind die Risiken, was kann man dagegen tun?“ Unter diesem Motto versetze ich mich also in geistige Alarmbereitschaft.

Schritt 2: Lesen. 6918 Wörter reiner Text. 2817 Wörter in Form von Powerpoint.

Wenn ich 500 Wörter pro Minute schaffe, müsste ich mit allen Word-Dokumenten in 15 Minuten durch sein (1 Minute extra gerechnet für das Öffnen und Schließen der Dateien). Die ppts müssten in 6 Minuten zu schaffen sein. Da man so hochkonzentriert nicht länger als 15 Minuten arbeiten kann, plane ich nach den Word-Texten fünf Minuten Pause und lese dann die Präsis. Dann müsste ich in einer halben Stunde fertig sein.

Outlook aus, Telefon aus, Radio aus, Kaffeetasse weg, Bildschirm richtig positionieren und los! Gaaaaanz entspannt rhythmisch „chunken“, schön peripher sehen und nicht zurückspringen im Text!

Eine halbe Stunde später: Geschafft! 20 Minuten für die Fließtexte in Word, 4 Minuten für die Präsentationen. Und ich fühle mich dabei total informiert. Sehr gut!

 

Schritt 3: Terminologie. Da ich mich jetzt um den Inhalt nicht mehr so sehr scheren muss, geht das abscannen nach schwieriger Terminologie flott von der Hand. Die Zeit habe ich leider nicht erfasst, aber Terminologiesuche als Augenübung wäre ohnehin noch einmal ein separates Thema.

 

Und dann? – Dann kam, was kommen musste, gerade als ich noch dachte, wie gut vorbereitet ich mich fühlte: Am Vorabend der Konferenz wurden noch unzählige Präsentationen und Skripte geschickt. Also habe ich ruckzuck die ganze schöne Arbeitstechnik wieder über den Haufen geworfen und nur hektisch die Texte nach Undolmetschbarem abgesucht. Denn wenn man auch seine Lesegeschwindigkeit ganz offensichtlich verdoppeln kann, so kann man damit trotzdem nicht den Nachtschlaf ersetzen oder die Zeit anhalten.

 

Mein Fazit:

–           Das hochkonzentrierte, inhaltsfokussierte Improved Reading ging deutlich schneller und hat mir viel gebracht.

–          Das Lesen mit einer Fragestellung im Hinterkopf hat mir geholfen, einen persönlichen Bezug zum Thema herzustellen und mir Inhalte zu merken.

–          Das Trennen von inhaltlichem Lesen und Terminologiearbeit war deutlich effizienter und gleichzeitig müheloser.

–          In den Präsentationen, die ich vorher so konzentriert gelesen hatte, habe ich (gefühlt) souveräner gedolmetscht als in denen, die in allerletzter Minute eingereicht wurden und ich nur auf mögliche Stolpersteine abscannen konnte.

 

Meine Fragen:

Hat jemand von Euch Erfahrung mit (anderen) Lesetechniken? Findet oder fändet Ihr das sinnvoll oder ist Euch das alles viel zu viel Hektik in ohnehin hektischen Zeiten? Schließlich ist ja bald Weihnachten, wer will da schon effizient sein …

Improved Reading – effizienter Texte verschlingen?

Lesen, lesen, lesen … seit über dreißig Jahren fresse ich einen Text nach dem anderen in mich hinein. Aber rein methodisch waren Lesetechniken bis vor kurzem ein weißer Fleck auf meiner mentalen Landkarte. Kann das sein? Nein! Ein Artikel im MDÜ über „Improved Learning“ hat dann meine letzten Zweifel beseitigt: Das wird meine Fortbildung des Jahres! Und so war ich vor einigen Wochen in Köln beim Improved Reading dabei (typischerweise nur am ersten von zwei Tagen, weil ich am zweiten Tag arbeiten musste). Und was soll ich sagen: Ich bin restlos begeistert! An einem Tag konnte ich meine effektive Lesegeschwindigkeit (das heißt Verstehen inklusive!) auf über 500 Wörter pro Minute VERDOPPELN! Sinneinheiten erfassen, peripheres Sehen, nicht zurückspringen usw. usw. Allein das relativ mechanische Augentraining und das Hantieren mit der Lesebeschleunigungsmaschine hat Laune gemacht, ganz zu schweigen von der inhaltlichen Komponente. Nun bleibt abzuwarten, wie sich das in der Dolmetschvorbereitung bewährt – wo wir ja nicht nur den Inhalt erfassen sollen, sondern nebenbei auch noch unbekannte Terminologie – eigentlich, so sollte man meinen, Gift für schnelles und effizientes Lesen.

Ein Bericht über den ersten Selbstversuch folgt selbstredend in Kürze!