Audio-Vorbereitung 2: Die kostenlosen Microsoft-Computerstimmen und was man damit machen kann

Sich Textdokumente durch eine Computerstimme vorlesen zu lassen, ist einfacher, als mancher vielleicht denkt. Es geht im Prinzip sogar mit den Bordmitteln von Windows 7 oder 8. In diesem Beitrag beschreibe ich im Einzelnen,

  • was man tun muss, damit man sich dann ziemlich komfortabel in MS-Word einen Text vorlesen lassen kann und
  • wie man daraus mp3-Dateien erzeugt bzw. mit welchen kostenlosen und kostengünstigen Programmen das noch besser/einfacher geht.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur für Windows 8 und Office 2013 sprechen. Mir wurde jedoch gesagt, dass es in Mac OS ungleich einfacher ist, sich Texte vorlesen zu lassen und diese als mp3 zu speichern (Alex, vielleicht möchtest Du das in einem Kommentar vertiefen?).

In Windows 8 ist eine so genannte „Sprachausgabe“ enthalten. Sie klingt auf Deutsch mit der Stimme von Hedda so:

In britschem Englisch mit Hazels Stimme so:

Um diese zu nutzen, muss man vorher nur ein paar Dinge tun:

– Die „Microsoft Speech Platform – Runtime (Version 11)“ herunterladen und installieren:
http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=27225

Die gewünschten Sprachen herunterladen und installieren:
http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=27224
Hier einfach auf den „Englisch“-Button klicken, danach bekommt man eine Auswahl der verfügbaren Sprachen. „TTS“ steht für Text to Speech (Sprachausgabe), „SC“ steht hier für Speech Recognition (Spracherkennung).

(Wer Windows 7 und Office 2010 hat, findet hier die entsprechenden Anweisungen von Microsoft: http://office.microsoft.com/en-us/word-help/using-the-speak-feature-with-multilingual-tts-HA101825279.aspx)

Damit hat man alles an Bord und muss dann nur noch die Sprachausgabefunktion in Word aktivieren:

  • Datei/Optionen/Symbolleiste für den Schnellzugriff
  • Befehle auswählen: Befehle nicht im Menüband
  • In MS-Word den Befehl „Sprechen“ auswählen und auf “Hinzufügen” klicken (in MS-Excel alle Befehle mit “Eingabezellen”).
  • Mit OK bestätigen

Und schon steht die Vorlese-Schaltfläche zur Verfügung:

Leider kann man sich hiermit die Texte nur „live“ vorlesen lassen, aber keine Audio-Datei erzeugen (wie man es am Mac kann).

Dazu reicht es aber, sich die kostenlose Aufnahmesoftware Audacity zu installieren (http://audacity.sourceforge.net/download/), und schon kann es losgehen: In Audacity als Audioquelle „Stereo Mix“ auswählen (damit nicht über das Raummikrofon aufgenommen wird), auf „Aufnahme“ – roter runder Punkt – klicken und dann in Word die Sprachausgabe starten.

Alles in allem also eine gut zu nutzende Funktion, wenn einmal alles eingerichtet ist.

Der Nachteil: Man muss sich zur mp3-Erzeugung wirklich immer den kompletten Text vorlesen lassen, was schnell lästig werden kann. Außerdem stoppt die Vorlesefunktion immer automatisch nach ca. 5 Minuten, d.h. man kann das System auch nicht einfach eine Stunde durchlaufen lassen und sich in der Zeit die Nägel lackieren gehen. Dieses Problem lässt sich aber ziemlich einfach lösen, etwa mit dem kostenlosen

MiniReader der zu Amazon gehörenden Firma IVONA: http://www.ivona.com/en/mini-reader/

Die Leiste legt sich über jedes Fenster und man muss nur den gewünschten Text markieren und auf Play klicken, schon liest es los. Der Ivona MiniReader bietet automatisch sowohl die installierten Microsoft-Stimmen an als auch zur Probe Ivona-eigene Stimmen.IvonaMiniReaderFREE

Die Ivona-Teststimmen kann man bei der Installation auswählen; es gibt mindestens Deutsch, Englisch (US/UK), Französisch, Spanisch (auch lateinamerikanisch), Portugiesisch (auch brasilianisch), Rumänisch, Italienisch, Niederländisch, Türkisch, Polnisch, Russisch, Schwedisch. Einzeln kosten die Stimmen ab 29 EUR, es gibt aber auch günstigere Pakete. http://www.ivona.com/en/voices/#offer

Ivonas Marlene liest den Kommissionsbeschluss folgendermaßen: Sie liest hier mal schneller und mal langsamer, weil ich während der Aufnahme mit dem Geschwindigkeitsregler gespielt habe. Am Anfang war sie mir ein bisschen zu flott und klang deshalb schnippisch. Die „Doppelebes-teuerung“ kann ich ihr verzeihen. Insgesamt auf jeden Fall brauchbar!

Der große Vorteil des kostenlosen MiniReaders ist jedenfalls, dass er sechs Seiten (mehr habe ich nicht getestet) ohne Abbruch durchliest. Man kann damit allerdings auch keine Audiodatei erzeugen, dazu benötigt man dann wieder bspw. Audacity.

Alternativ bietet dies der kostenpflichtige Ivona Reader: http://www.ivona.com/en/reader/ Einsprachig gibt es diesen ab 49 EUR, mehrsprachige Pakete ab 129 EUR. Damit kann man dann Audio-Dateien generieren und theoretisch auch taggen, um einzelnen Textstellen unterschiedliche Sprachen bzw. Stimmen zuzuweisen.

Eine Alternative zum MiniReader + Audacity oder dem kostenpflichtigen Ivona Reader ist mein persönlicher Favorit  TextAloudhttp://www.nextup.com/TextAloud/ für 29,95 USD (19,99 EUR exkl. MWSt). Damit bekommt man eigentlich alles, was man braucht: Viele Sprachen, mp3-Generierung und Tagging für Glossare (dazu mehr im nächsten Blog-Beitrag). TextAloud

Stimmen kann man einzeln für einen Preis von 26,70 bis 34,20 EUR dazukaufen. Das Programm nutzt aber auch die installierten Stimmen von Microsoft und Ivona.

All dies habe ich getestet und es hat wunderbar funktioniert – TextAloud ist jetzt mein Standard-Instrument für das ziemlich problemlose Erstellen von Audio-Dateien auch aus mehrsprachigen Glossaren. Aber dazu mehr demnächst!

 

 

Audio-Vorbereitung 1 oder: Liest mir mal bitte jemand meine Vorbereitungstexte vor?

Als Dolmetscher sind wir ja alle auch ein bisschen in den Charme der gesprochenen Sprache verliebt. Meine Frage, wie ich auch in der Dolmetschvorbereitung mehr mit gesprochenen statt geschriebenen Wörtern zu tun haben könnte, hat deshalb zwar auch zum Ziel, beispielsweise die Autofahrt zum Anhören von Texten oder auch von mehrsprachiger Terminologie zu nutzen (mobile learning oder m-learning). Aber ganz abgesehen davon höre ich auch gerne aus Freude am Vorgelesenbekommen. Und nicht zuletzt halte ich es auch für plausibel, dass es uns Dolmetschern beim Abrufen von Terminologie als Klangbilder hilft, wenn wir diese auch in Form von Klangbildern und nicht als Schriftbilder gelernt haben.

Mit all diesen Beweggründen im Rücken habe ich mich nun also vor Wochen aufgemacht, die perfekte Lösung für das Erstellen von Audio-Dateien aus geschriebenen Texten zu finden – Stichwort Sprachausgabe, Sprachsynthese oder auch Text-to-Speech (TTS). Hier gibt es im Wesentlichen zwei Optionen:

1. die im Betriebssystem (Windows oder Mac OS) enthaltene Spracherzeugungsfunktion,

2. spezielle Spracherzeugungssoftware.

Es hat sich herausgestellt, dass eine besondere Herausforderung darin liegt, mehrsprachige Texte zu vertonen, also den Sprachwechsel innerhalb eines Textes (Glossars) zu bewerkstelligen – aber auch das ist möglich! Die unterschiedlichen Möglichkeiten zur einsprachigen bzw.  mehrsprachigen Vertonung werde ich in den nächsten Tagen in gesonderten Beiträgen vorstellen, denn sie sind teilweise etwas erklärungsintensiv.

Es sei nur so viel gesagt: Ich habe vergangene Woche im Auto eine halben Stunde lang Hedda (der deutschen Microsoft-Stimme) dabei gelauscht, wie sie mir einen EU-Kommissionsbeschluss über aggressive Steuerplanung vorliest. Das möchte ich Euch natürlich nicht vorenthalten:

Gut, Hedda hat einen leicht französischen Akzent, und mir ist plötzlich klar geworden, was für eine schöne und sinntragende Sache doch die Prosodie ist (Die englische Hazel hat mich da schon eher überzeugt. Aber ich denke, insgesamt sind die englischen Kunststimmen besser entwickelt als die restliche Sprachenwelt). Aber alles in allem habe ich mich nachher gut vorbereitet gefühlt. Das Gute (oder Schlechte) beim Vorlesen ist nämlich, dass man auch bei langweiligen Textpassagen gezwungen ist, sich beispielsweise mit den Finessen der Benennung von Mitgliedern einer Expertengruppe auseinanderzusetzen. Was schon mal gar nicht dumm ist.

 

Mit dem Tablet in die Dolmetschkabine? – The ipad Interpreter von und mit Alex Drechsel

Dass ein Tablet leichter, kleiner und handlicher ist und zudem eine längere Akkulaufzeit hat, sehe ich ein. Ich persönlich trage jedoch lieber 400 g mehr mit mir herum und habe einen richtigen Rechner (= mein komplettes Büro nebst Datenbestand) dabei, der mir überall ein vollwertiges Office-Paket, eine „große“ Tastatur und die Möglichkeit bietet, so viele Programm gleichzeitig zu öffnen, wie ich möchte. Als ich einmal über mehrere Wochen mit dem Tablet in der Kabine saß, fand ich es dennoch gut, weil es einfach nett ist, nur so ein kleines Brett aus der Tasche zu ziehen und fertig. Und ich war auch dankbar, dass ich trotz havarierten Notebooks einigermaßen einsatzbereit war. Dank großem USB-Stick hatte ich auch trotzdem alle meine Daten dabei und musste mir über nichts Gedanken machen.

Interessant finde ich, dass ich auf dem Privatmarkt kaum jemanden mit Tablet in der Simultankabine sitze sehe, in Brüssel aber offensichtlich Tablets immer beliebter werden und fast häufiger anzutreffen sind als Notebooks.

Dazu passt, dass unser Kollege Alexander Drechsel aus Brüssel (SCIC) so nett war, in einem kurzen Video die Vorzüge des Tablets in der Dolmetschkabine zu zeigen, veröffentlicht u. a. im Dolmetscher-Blog „A Word In Your Ear“: http://lourdesderioja.com/2013/11/10/ipad-interpreter/.

the ipad interpreter

Besonders gut fand ich die App „Documents“, die einem das Hantieren mit vielen unterschiedlichen Dokumenten zu erleichtern scheint. Und auch sonst hat Alex ein paar interessante Gedanken parat.

Danke dafür an Alex – und allen anderen viel Spaß beim Zuschauen!