Operation leerer Briefkasten

Während es zum Thema Reinhaltung des elektronischen Postfachs nicht nur Spamfilter, sondern bei seriösen Newslettern auch eine (vorgeschriebene) Abmeldefunktion gibt, ist es mit der Abwehr unnötiger Papierpost deutlich komplizierter. Komischerweise höre ich auch seltener jemanden über die Flut unnötiger Papiermengen im realen Briefkasten als über die Spam-Flut jammern, obwohl das Ausfiltern und Löschen von E-Mails viel weniger Arbeit verursacht als das Entsorgen von realer Post (einschließlich Folie von Papierprospekt separieren). Ich jedenfalls finde Berge von Post auf dem Schreibtisch nach ein paar Tagen Abwesenheit lästig – weshalb ich vor einigen Monaten meine Operation „Leerer Briefkasten“ gestartet habe. Nachahmern eindeutig empfohlen:

Schritt 1: Schild an den Briefkasten kleben. Wenn am Briefkasten steht „Keine Werbung einwerfen“, bekommt man keine unadressierte (!) Werbung mehr. Warum gibt es das eigentlich nicht für das E-Mail-Postfach?

Schritt 2: Weiterhin bekommt man jedoch persönlich adressierte Post. Also jeden Katalog und jedes Mailing telefonisch, per Mail oder Fax abbestellen – geht eigentlich ganz schnell und die Hotlines sind immer darauf vorbereitet. Bei den Versandhäusern meines Vorzugs habe ich statt Katalogen die Newsletter abonniert, sie fliegen per Filterregel in einen separaten Ordner, damit sie mir nicht mitten am Arbeitstag auf die Nerven gehen. Und wenn ich mal mitten am Arbeitstag in Kataloge blättern möchte, habe ich sie selbst in der Kabine dabei. Manchmal stellt man ja gerade dann fest, dass man dringend ein neues Kleid braucht.

Schritt 3: Neben den Katalogen und Mailings, von denen ich weiß, weshalb ich sie bekomme – nämlich weil ich bei dem Unternehmen Kundin bin und mir dessen Angebot auch nicht völlig unsympathisch ist – gibt es auch unaufgeforderte Post mit Angeboten von Firmen, mit denen ich noch nie etwas zu tun hatte. Wenn man genau hinsieht, enthalten solche Schreiben aber normalerweise einen Hinweis auf die Möglichkeit, der Nutzung der personenbezogenen Daten zu Werbezwecken zu widersprechen, häufig unter Verweis auf eine Adressdatenvermittlungsfirma. Dieser muss man oft tatsächlich per Post schreiben, da es häufig auf den Firmenwebseiten keine entsprechende Funktion und auch keine E-Mail-Adresse oder Faxnummer für diesen Zweck gibt. Dies ist mit Abstand der nervendste Teil der Operation „Leerer Briefkasten“. Daher kommt Schritt 4 ins Spiel:

Schritt 4: Der Eintrag in eine Robinsonliste. Für Deutschland gibt es derer zwei: Robinsonliste I.D.I. Interessenverband Deutsches Internet e.V. (http://www.robinsonliste.de/) und DDV Deutscher Dialogmarketing Verband e. V. (https://www.ichhabediewahl.de). Mittlerweile ein äußerst unkompliziertes Unterfangen … und hoffentlich mit der entsprechenden Wirkung – die sich nur dann entfaltet, wenn sich die adressverwaltenden Firmen auch daran halten, die eingetragenen Personen bei ihren Postwerbeaktionen auszusparen.

Mit und mit komme ich meinem Ziel jedenfalls deutlich näher, im Briefkasten nur noch Versicherungsunterlagen, Bußgeldbescheide und stimmungsaufhellende Geburtstags- und Weihnachtskarten vorzufinden.


Über die Autorin:
Dr. Anja Rütten ist freiberufliche Konferenzdolmetscherin für Deutsch (A), Spanisch (B), Englisch (C) und Französisch (C) in Düsseldorf und Mitglied von VKD, BDÜ NRW und AIIC. Sie widmet sich seit Mitte der 1990er dem Wissensmanagement.

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